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reiseBERICHTE | 1 | ina aus wien | 27.10.2001

inas rückblick und status quo am 27.10.2001
ich werde mir jetzt schnell die zeit nehmen, unsere vorbereitungen der letzten tage, wochen, ja eigentlich schon monate zusammenzufassen. bei mir übrigens in der inter-netten tradition des kleingeschriebenen und meine doppel-s sind nicht falsch oder neue rechtschreibung, sondern alte, schweizer rechtschreibung…
die eigentliche geburt der idee hat schon 1997 in bombay stattgefunden. als wir viel mehr zeit als geplant in dieser stadt ausharren mussten und das einzige ungelesene buch "jenseits von afrika" dem jeweils anderen laut vorgelesen wurde, zum einschlafen, beim aufwachen und immer wenn uns fad war – im schwülen bombay, in unserem kahlen "hotel"zimmer unter wehendem ventilator-wind und an der wand der geniale gruss eines vorgängers in form eines "villacher bier"-pickerls.
so richtig konkret wurde die idee dieses jahr im frühling, man könnte nicht sagen, an einem bestimmten tag haben wir uns entschlossen nach afrika zu fahren, es waren viele tage, viele wochenenden, an denen einer von uns mit der karte dahergekommen ist und der andere dann den plan etc ergänzt oder weitergeführt hat.

ein wichtiger schritt war davids kündigung im juni (wenn ich mich recht erinnere) und dann der letzte arbeitstag (der 31. juli 2001) mit anschliessender abschiedsfeier… ab diesem zeitpunkt begann es recht konkret zu werden, vor allem, da die einkünfte danach ein wenig unsicher erschienen und es damit "kein zurück" mehr gab.
am 08.08.2001 haben wir unsere ersten impfungen erhalten – und davor natürlich mit dem manfred, unserem haus-, hof- und leibarzt darüber gesprochen was nützlich, gut und teuer wäre. vom wiener tropeninstitut war ich nicht sehr begeistert, das ist eine art fliessband für impfwillige – da sind mir manfreds impf-sessions schon lieber. vor allem, wenn er zu uns kommt…
ab 13. august waren wir dann beide wieder exzessiv mit geld verdienen beschäftigt, ich bei der post mit briefe sortieren und david bei den zlos fenster renovieren. meine briefe waren am 23. september fertig sortiert, david hat sich noch bis 03. oktober mit den fenstern beschäftigt – es hat sich für ihn auch mehr gelohnt als für mich.....

aktiv angefangen diese reise vorzubereiten habe ich am 27. september, als ich sämtliche konsulate und botschaften einiger westafrikanischer länder angerufen habe um herauszufinden, welche impfungen man braucht und wo welche visa notwendig sind.
die woche vom 08. oktober bis 12. oktober haben wir dann auch hauptsächlich damit verbracht von einem konsulat zum nächsten zu hirschen und uns für teilweise viel geld chicke stempelchen in unsere pässe geben zu lassen. man würde es gar nicht für möglich halten, was für gravierende unterschiede es dabei gibt: eine dame hat uns mit sämtlichen, in den letzten 3 jahren in deutscher sprache erschienenen artikeln über den niger ausgestattet. und zwar gratis. eine andere hat sich durch unsere anwesenheit gestört gefühlt, in der einnahme ihres frühstücks und gleich das datum falsch eingetragen. (verfluchen werde ich sie dafür erst dann, wenn wir an der grenze wieder so ein theater haben wie von der türkei in den iran, weil irgendwelche zöllner meinen, wir haben unsere visa gefälscht oder ähnliches).

mo, 22.10.2001 wir erhalten bei manfred in ebenau die letzten zwei impfungen und unsere vielen malaria-prophylaxe-tabletten. was daran speziell nett ist, ist die tatsache, dass er uns all das als weihnachtsgeschenk hat angedeihen lassen.
am mi, 24.10. machen wir uns erstmals auf den weg um uns nach rucksäcken, schlafsäcken usw umzuschauen. nachdem wir bei einem mehrstündigen essen in einem afrikanischen restaurant den tipp bekommen haben, gleich bei uns ums eck' gäbe es einen recht guten camping-ausstatter. von dem sind wir aber sehr frustriert wieder heimgekehrt. die hatten wohl kein interesse daran, uns etwas zu verkaufen. ebenfalls an diesem mittwoch ein erster grosser erfolg: unsere pässe sind aus berlin vom mauretanischen konsulat zurückgekommen – nun haben wir alle visa!

am do, 25.10. machen wir den nächsten versuch ausrüstung einzukaufen und dieser ist von absolutem erfolg gekrönt: über zwei stunden werden wir geduldig beraten und aufgeklärt, dürfen uns umschauen, stöbern und lustig machen…
am fr, 26.10.2001 (nationalfeiertag in ö) geben wir eine ruh' und machen nix. ausser listen schreiben, für ausrüstung und medikamente und und und
dafür legen wir am sa, 27.10.2001 erstmals viel geld aus und erstehen rucksäcke, iso-matten (die david in diesem moment in der wohnung liegend ausprobiert - er meint, wenn er mich im fluss versenkt hat, kann er gemütlich auf beiden schlafen. tststs.), einen kocher, der mit gas und normalem benzin verwendbar ist, für david plastik-sandalen, ein geld-dokumente-versteck-gürtel-umschnall-teil für david, zwei wassersäcke mit je 4 liter fassungsvermögen, ein kasten-moskito-netz, ein buch über erste hilfe und ein zweites buch mit dem klingenden titel "wo es keinen arzt gibt" (das wollte david gern haben, mir ist es nicht so toll erschienen, weil auch beschrieben ist, was man gegen fettleibigkeit machen kann, wenn es wo keinen arzt gibt…), zwei innenschlafsäcke aus baumwolle, die heissen "cocoon", einen schlammfarbenen für mich und einen dunkelblauen für david (den werde ich jetzt dann waschen, damit er nicht immer blau aufwacht…), ein nackenkissen für david (ich glaub, dass mein jugendlicher nacken auch mit einem pulli oder so auskommen kann - wenn ich 50 bin werde ich dann solchen komfort in anspruch nehmen) [anmerkung david: ich bin ja schon ein armer kranker klapperstorch – und werde meinen supertollen nacken-schlaf-polster auch nienicht weiterverleihen, an junge gören sowieso nicht!]

leider werden wir bis mo oder so warten müssen ob es möglich sein wird das zelt, das wir uns im katalog ausgesucht haben, bis zum 09. november zu bestellen oder nicht. die schlafsäcke müssen auch erst bestellt werden. zwei leute, die zu unserem abschiedsfest kommen, dürfen dann testschlafen im vollen equipment (anmeldungen bitte per e-mail unter angabe der kreditkartennummer an die redaktion).
ende des eintrags, heute widmen wir uns der neuropsychologie bzw dem percussion-festival und später dann vielleicht noch der viennale'01.


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© david scharler