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reiseBERICHTE | 11 | david aus nouakchott | 13.12.2001

von duenen, minen, sonnenschein werde ich heute schreiben. wie schon im titel steht sind wir nun in nouakchott, der hauptstadt von mauretanien angelangt, doch der weg hierher, in die metropole mitten im wuestenland, war nicht leicht.

da ich schon lange nichts mehr geschrieben habe, hole ich ein wenig aus und beginne in dakhla, der suedlichsten oeffentlich erreichbaren stadt marokkos. dorthin fuehrte uns eine ca 20-stuendige fahrt vom touristenzentrum agadir. waehrend dieser autobusfahrt tauchten wir langsam in die wirkliche wueste der westsahara ein, nachdem wir um 20 uhr am abend in agadir abfuhren, erreichten wir um sieben uhr am naechsten morgen laayoune, die erste groessere stadt in der westsahara hinter der auch die ersten richtigen sandduenen zu sehen waren, und hatten auch schon unsere erste polizeikontrolle hinter uns. die westsahara stand bis 1975 unter spanischer kolonialverwaltung, weshalb auch noch teilweise spanisch gesprochen wird und wir auch eine kirche in dakhla entdeckten. die spanier zogen also 1975 aus der westsahara ab und marokko annektierte das gesamte gebiet, das etwa gleich gross ist wie marokko, aber nahezu ausschliesslich aus sahara besteht und wirtschaftlich nur wegen seiner bodenschaetze bedeutung hat. wohl auch aus diesen grund wollte das arme land mauretanien seine ansprueche geltend mache und kaempfte ein paar jahre gegen marokko darum, musste aber 1979 wegen mangelnder finanzieller resourcen aufgeben. seither wartet die westsahara auf ein abstimmung zur unabhaenigigkeit, doch marokko will das natuerlich verhindern, da es grossartige vertraege mit der usa und frankreich gemacht hat ueber den abbau der bodenschaetze.

Mauretanisches Wasser Es-Sari.

und weil sich die beiden laender seither nicht mehr so gern haben gibt es an der heutigen grenze einen etwa 500 m breiten minenguertel mitten in der wueste. die ausreise von marokko nach mauretanien ist schon seit jahren moeglich und heute, wegen der aggressiven haltung radikaler moslems in algerien gegenueber touristen, nahezu die einzige moeglichleit einer nord-sued-durchquerung der sahara. die ausreise aus mauretanien war abe bis vor kurzem nicht moeglich (zumindest schreiben alle reisefuehrer, die auf dem markt sind soetwas), aber uns wurde berichtet es gaebe nun auch die moeglichkeit der ausreise in diese richtung. aber das betrifft uns ja nicht.
aus diesen gruenden kann man die grenze nur mit einem militaerkonvoi erreichen, der zweimal woechentlich von dakhla aus in richtung grenze fuehrt. deshalb mussten wir an einem dienstag in dakhla sein - wir kamen montag abend an. das polizeibuero (surete nationale) war zwar schon geschlossen, doch man teilte uns mit wir koennten alle formalitaeten am naechsten morgen erledigen. also gingen wir noch einmal gut essen, um unsere restlichen dirham zu dezimieren, da die formalitaeten zwar langwierig seien aber gratis. zurueck im hotel mussten wir feststellen, dass schon jemand vor uns da war und sich haeuslich eingerichtet hatte: so ungefaehr fuenf kakerlaken (vielleicht auch mehr?). ina war natuerlich nicht sehr erfreut, vor allem ueber die eine im bett, aber wir haben sie alle erlegt oder verscheucht und doch eine nacht im zimmer verbracht.

in der frueh packten wir unsere sieben sachen und hirschten durch die stinkenden strassen in richtung surete nationale, stellten fest, das die herren dort eigentlich ganz nett waren und hatten uns bald bei der polizei mit foto registriert. nun war als naechste station das major militaire angesagt, vor dem wir ein wenig auf der strasse warten mussten, waehrenddessen wir versuchten andere reisende aufzutreiben, mit denen wir haetten mitfahren koennen. eine gruppe von zwanzig spaniern in mehreren fahrzeugen, die einen humanitaeren konvoi in den senegal fuehrten, hatte leider keine plaetze frei. auch drei autoschieber aus frankreich meinten nur arrogant sie haetten keinen platz. beim militaer mussten wir uns in die liste der konvoi-teilnehmer eintragen, das ging auch relativ problemlos (mit foto) ohne die eigentlich erforderliche angabe eines fahrzeuges als passager.

also weiter mit dem taxi aus der stadt raus bis zum sammelpunkt fuer den konvoi. dort angekommen standen einige zwielichtige grueppchen von autos, entweder uebervoll beladen, als einheimische fahrzeuge zu erkennen, oder neue strassenfahrzeuge, die fuer den verkauf in afrika bestimmt waren. doch unter all diesen auch ein grosser belgischer mercedes-bus, den wir ansteuerten. nach kurzem gespraech hatten wir uns mit marielle und françois geeinigt und konnten also gratis mitfahren! sie haben vor zwei jahre lang mit ihren soehnen joan (7 jahre) und toma (4 1/2 jahre) durch afrika zu fahren - ein stolzer plan. sie sind schon seit ende september unterwegs und ganz gemuetlich durch europa und marokko bis hierher gefahren, haben kueche, wassertank und betten mit dabei und viel geduld und gute laune. im laufe der naechsten woche sollen sich die beiden kinder als die bravsten herausstellen, die ich jemals gesehen habe - sie koennen stundenlang und ueberall ruhig spielen und brauchen niemanden, der ihnen alle zwei minuten etwas neues bietet.

Mauretanischer Mann der
Nationalparkverwaltung,
Nouadhibou, Mauretanien.

es ist 11 uhr, die abfahrt ist fuer 12 uhr angesagt, doch es dauert natuerlich noch wesentlich laenger, schlussendlich zaehlen wir ueber 40 fahrzeuge und es ist auch schon nach 17 uhr. die fahrt fuehrt also grossteils in der nacht (um 6 halb 7 wird es dunkel) teils auf strasse, teils auf piste in richtung grenze. um ca 22 uhr machen wir halt zum schlafen, bevor es auf die letzten paar kilometer geht. freundlicherweise werden wir bis 3 uhr in der nacht mit lauter arabischer musik geglueckt und duerfen dann um sieben wieder aufstehen. doch wie sich herausstellt haetten wir noch viel laenger schlafen koennen, denn zu mittag sind wir zwar schon ein paar mal eingestiegen und gefahren, aber noch keine hundert meter weitergekommen. mittlerweile haben wir einige leute kennengelernt, unter anderem auch zwei deutsche, patrick und didi aus oberkirch in der naehe von karlsruhe in einem bunt beklebten mercedes-bus, die auch etwa die gleiche route planen wie wir.

schliesslich geht es doch noch los, immer ein paar meter weiter, dann bekommen wir die paesse wieder zurueck, die am vortag eingesammelt wurden (ein gutes gefuehl wieder einen pass zu haben) und einen ausreisestempel aus marokko. dann geht es ohne militaer noch ca 10 kilometer weiter, anfangs auf ungekennzeichneter piste, bei der mir etwas mulmig ist, da ich nicht weiss ob wir schon im minenguertel sind oder nicht (und da spuken die geschichten rum von dem franzosen der einen haengengebliebenen militaerjeep aus dem sand ziehen sollte und dabei auf eine mine fuhr). dann erreichen wir eine alte spanische strasse, die fuerchterlich holpert, aber wenigstens sicher ist. mit einem kleinen schildchen ist schliesslich auch der relativ kurze minenguertel gekennzeichnet, durch den die fahrzeuge in groesserem abstand durchfahren. wenn ich mich nicht taeusche, dann weiss ich jetzt auch wie solche minen aussehen, denn der wind hat ein paar runde, rostige metallscheiben erheblicher dicke freigelegt.

auf mauretanischer seite zieht sich das ganze auch wieder in die laenge, muehsame passkontrollen, schmiergeldzahlungen mit rechnung fuer sogenannte extra-arbeit - scheinbar nach gutduencken, denn die beiden deutschen - reichlich taetowiert, mit nasen und lippenringen und einem dreadlocks-irokesenschnitt - muessen nichts zahlen. auch nach mehrmaligem nachfragen (sie wissen nicht, ob sie die bestaetigung nicht spaeter brauchen) "duerfen" sie nicht zahlen. sehr merkwuerdig. gegen vier uhr geht es weiter, wir fahren mit ein paar fahrzeugen in richtung nouadhibou los auf schlimmster piste, sehr steinig und holprig, wir brauchen mehrere stunden fuer ein paar kilometer und erreichen schliesslich den campingplatz ABBA im "stadtzentrum", falls man es als solches bezeichnen kann.

Camping Abba von innen, Nouadhibou, Mauretanien.

so nun muss ich schluss machen, die ina wetzt schon ganz ungeduldig auf ihrem sessel herum und unsere zwei stunden zuflucht im internet-cafe "dar al computer" sind auch vorbei. draussen wartet wieder die mittagshitze. liebe gruesse aus dem gleissendhellheissen nouakchott, bald geht's weiter mit der maerchenstunde. david


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