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reiseBERICHTE | 13 | ina aus st.louis, senegal | 17.12.2001

schneller als erwartet hat es uns vor 4 tagen schon in den senegal "verschlagen". und das kam so: nouakchott war zwar recht nett, aber so ein winzlings-campingplatz mitten in der stadt (auberge des nomades) ist auch nicht so der hit und deshalb wollten wir uns dann, gemeinsam mit den belgiern absetzen auf einen anderen campingplatz, der am meer sein sollte. leider ist dann toma, der ganz kleine belgier, krank geworden und so haben wir beschlossen erst einen tag spaeter zu fahren. in der zwischenzeit sind schon einige leute aus unserem konvoi abgereist, die deutschen und noch einige franzosen haben es nicht lange in der stadt ausgehalten. kurz bevor wir dann tatsaechlich losfahren wollten, kamen colas und stephane (auch zwei franzosis aus unserem konvoi) um sich zu verabschieden, da sie nun nach rosso (das ist die grenzstadt von mauretanien und dem senegal) aufbrechen wollten. das uebliche geplaenkel, wie lange bleibt ihr noch, wo fahrt ihr dann hin usw und dann fragen uns die 2, ob wir nicht vielleicht mit ihnen mitfahren wollen. warum nicht? die rucksaecke waren ja schon gepackt und wir fertig fuer die abreise. also sind wir kurz entschlossen in den senegal aufgebrochen.

allerdings gab es unterwegs noch ein kleines hindernis, das sich aber -

Foto oben: Lastwagen bei
der Kontrolle an der
Polizeistation,
Mauretanien.

wie alles in mauretanien - mit viel reden und zeit schliesslich ueberwinden liess. colas ist 18 (a junga hupfa) und reiste los mit seinem hund "rica" (ebenfalls ein junga hupfa, naemlich erst 3 monate alt und somit war sie auch vor der abreise zu jung fuer die tollwut-impfung) in seinem bus um in portugal surfen zu gehen. und nachdem es ihm dort zu kalt war hat er sich spontan umentschlossen nach marokko zu fahren. und von dort dann nach mauretanien und unterwegs ist ihm leider das auto kaputt geworden. das war weiter kein problem, da in unserem konvoi auch fabrice ist, der mann, der immer zu kaputten autos hinkommt und sie dann in wieder funktionierendem zustand verlaesst. ausserdem ist im konvoi auch noch stephane, der beste freund von colas. dieser ist kaeser, auch mit hund unterwegs (plume hat zwei verschiedenfarbige augen und ist 3 jahre alt) und mit einem toll ausgebauten vw-bus. viel juenger als moosi. zu beginn war stephane mit seiner freundin und 2 hunden unterwegs (und colas natuerlich) aber die beziehung duerfte sich dann aus welchen gruenden auch immer beendet haben.

colas hatte nun anfangs vor, sein auto in nouakchott zu verkaufen. nachdem aber er und fabrice das ding ohne grossen aufwand wieder herrichten konnten hat er es sich anders ueberlegt, da er im senegal viel mehr geld vermutet. er hat allerdings einen vertrag unterschrieben und auch schon einiges an geld fuer sein auto bekommen. nachdem er eine nacht drueber geschlafen hat, ist er mit dem geld wieder zum kaeufer hin und hat sich sein auto wieder geholt. und uns und unsere rucksaecke eingeladen und auf in richtung senegal. bei der 3. polizeikontrolle ist dann allerdings der typ gestanden und hat nun behauptet, dass colas nun auto und geld haette und ausser landes will. tja. da hat er es dann schon mit der angst zu tun gekriegt. ich hab mich der rica angenommen, weil die leute in mauretanien moegen keine hunde. die kinder haben sogar angst davor und den frauen sind sie auch nicht geheuer. dabei ist rica so etwas von putzig! selten hab ich einen hund so lieb gefunden.

colas hat die situation dann recht gut gemeistert, wir mussten mit dem kaeufer wieder zurueck nach nouakchott, mit polizeibegleitung, zur hauptpolizei und auf der fahrt dorthin hat sich der kaeufer, der bei stephan im auto war (und dessen kumpanen in der zwischenzeit mit dem weissen mercedes einen verkehrsunfall hatten - wenn es kein handy geben wuerd - das waere sehr tragisch) besonnen und sich 1.000 mal entschuldigt, vor dem polizisten zugegeben, das colas das geld zurueckgegeben hat und eh alles in butter sei.

rica hat sich dort sofort ein nettes plaetzchen gesucht: ein betender moslem hat sich gerade so vorn ueber gebeugt um sich wieder hinzuknien und den boden zu kuessen und dem hat sie sich zwischen die beine gesetzt. und da wollte sie auch bleiben. er konnte sein gebet natuerlich auch nicht so einfach beenden und so haben sie einige zeit miteinander gebetet.

Mauretanisches Wasser, El Afia.

der zweite anlauf aus der stadt zu kommen ist dann geglueckt und wir haben auch den ziemlich kaputten mercedes am strassenrand gesehen - eine genugtuung fuer colas so denke ich. geschlafen haben wir dann irgendwo am strassenrand. wir durften in colas auto schlafen und er bei stephane. und am naechsten tag sind wir dann zu einer kleineren grenze gefahren, wo wir netter weise saemtliche ougouiya-scheine noch losgeworden sind fuer dinge, deren grund wir nicht erfahren werden. die polizei wollte geld von uns, der zoll und dann auch noch eine taxe - inshallah! dann durften wir ueber die bruecke fahren, ueber den senegalfluss und auf der drueberen seite noch einmal zahlen. allerdings nur die leute mit auto, da sind wir billiger ausgestiegen. es bleibt noch zu erwaehnen, das unsere chauffeure das ueberhaupt nicht so stillschweigend bezahlen wollten und sich so einiges an geld gespart haben. sie haben laut gestritten oder behauptet, sie haetten nicht mehr geld bei sich und es hat auch bei ihnen geklappt. so sind wir also in den senegal gekommen. wir haben gleich den von den franzosen in nouakchott empfohlenen campingplatz angesteuert und das getan, von dem colas die ganze fahrt ueber geredet hat: seit ungefaehr einem monat 1 BIER GETRUNKEN!

Verkäufer in einem kleinen Laden zwischen Nouakchott und Rosso, Mauretanien.

ja, diesen luxus gibt es hier und hier gibt es ueberhaupt viele tolle dinge:
zb frauenbrueste, die sich einfach so in der landschaft bewegen - aber ein tuch auf dem kopf, denn eigentlich sind sie ja schon muselmanen. oder eben das biere „la gazelle“, das sehr sueffig ist. oder riesige krebse bzw krabben (da kenn ich mich zu wenig aus: was ist der unterschied oder ist es einfach nur, wir sagen halt krebse und die franzosen "crab") am schoenen, herrlichen, weissen strand. und ich musste feststellen, das ich viele, viele sommersprossen bekommen habe. und wir halten uns gut an senegals hauptexportartikel: erdnuesse. ob mit zucker gebrannt oder feine, salzige roestung - herrliche dinge gibt es hier und zwar an jeder ecke und recht guenstig. so verbringen wir unsere tage und es ist sehr angenehm.

heute soll der letzte tag des ramadan sein. nach unserer rechnung allerdings erst uebermorgen, mondmaessig passt es heute auch ueberhaupt nicht und in unserem fuehrer steht ueberhaupt erst der 28. bzw 29. dez. aber es soll da heute ein grosses fest geben. in st louis. das werden wir uns einmal anschaun, vielleicht ist das ja nur fuer moslems oder so. hier gibt es uebrigens eine bruecke, die der herr eiffel konstruiert hat. ueber den senegal-fluss. da sind wir gestern 2 mal drueber spaziert. ich denke, ich bin in dem afrika gelandet, das ich mir immer unter "afrika" vorgestellt habe. ein schoenes weihnachtsgeschenk.


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© david scharler