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reiseBERICHTE | 18 | david, gambia die zweite | 5.1.2002

gambia die zweite, da mir das letzte mal die zeit ausging.
nach unserem fahrradtag machten wir uns am naechsten tag auf das landesinnere zu erkunden. da die strassen in kuestennaehe einen recht guten eindruck machten, dachten wir uns die 300km nach georgetown (oder jangjang bureh wie es eigentlich wieder heisst) koennten ja nicht allzu schlimm werden. doch es begann schon damit das wir viel laenger in die stadt brauchten als geplant, dann den busbahnhof auch nach langem fussmarsch bei sonnenschein in voller beladung nicht fanden und doch ein taxi nehmen mussten. leider hat dieses, bzw dessen getriebe, nach 200m den geist aufgegeben und wir standen wieder im irgendwo und packten die rucksaecke, jetzt schoen staubig, wieder aus. schliesslich kamen wir mit einem anderen taxi doch noch zum busbahnhof - um halb elf -, doch der naechste bus sollte erst um eins fahren.

also setzen wir uns zu den mechanikern und warten. nach einer halben stunde sagt uns einer, dass gerade ein bus gekommen sei, der nach georgetown fahre, aber noch eine kleine reparatur noetig haette. im fuehrer steht, es wuerden nur sitzplaetze verkauft, nach mehrmaligem fragen, sagt der schaffner wir koennten auch so mitfahren, wenn wir keinen sitzplatz haetten. um halb zwoelf scheint die reparatur beendet, wir fahren los und nach wenigen hundert metern beginnt das wirkliche beladen, denn so ein bus hat ja noch mindestens so viele stehplaetze, wie sitzplaetze. kurz und gut, nach einer weiteren halben stunden (bis alle leute verstaut sind, die lebenden huehner unter dem sitz und alle eine fahrkarte haben) geht es wirklich los. ina hat nun einen sitzplatz neben einer frau mit zwei kleinen maedchen, deren eine sie fuer etwa zwei stunden schlafend am arm halten darf. ich habe gerade mal, oder gerade nicht, genug platz am boden fuer meine fuesse. als ich um vier uhr nachfrage (ich waehne mich dem ziel schon nahe), wie lange es denn noch dauere, meint der schaffner, so ungefaehr bis sechs uhr. aber vorher gibt's noch eine pause, zum essen und so. die dauert natuerlich nicht wie gesagt 10 min, sondern 50, die ankunft ist natuerlich auch nicht um 18.00 uhr, sondern um 20.30 uhr.

georgetown liegt auf einer 10km langen insel, von beiden seiten vom gambia-river umschlossen, also muessen wir zuerst mit einer faehre (der motor ist kaputt, also ziehen am seil per hand) auf die insel. von dort, wir fahren ja nicht mit einem bloeden taxi, oder?, sind es ca 2km in den ort, der mangels strom nicht sehr hell erleutet ist. nach kleinen irrwegen lassen wir uns von salomon auf einen steg hinaus auf den gambia-river fuehren. der steg ist sehr spannend, nur vom mondlicht beleutet fuehrt er auf das schwarze wasser hinaus, er besteht nich aus "holzbrettern", sondern aus "schwarteln" (randstuecken, die auf einer seite rund sind), was den steg sehr holprig macht, er biegt sich unter unserer last und knirscht. draussen angekommen ruft der bursche mehrmals ueber den fluss, damit man uns abholt, von drueben kommt ein rufen zurueck, nach ein paar minuten taucht fast lautlos ein kleines boot auf mit zwei weissen augen, wir steigen ein und fahren dem fast-vollmond direkt entgegen.

Unser Ausblick vom Frühstückstisch auf den Gambia River,
Jangjang Bureh Camp, Georgetown

drueben liegt das jangjang-bureh-camp, errichtet von zwei deutschen in den achzigern. es gibt keinen strom, beleuchtung erfolgt mit oellampen, gekuehlt wird mit eisbloecken. dementsprechend wenig sehen wir auch davon, aber es sieht toll aus. wir fragen, ob wir ein zelt aufstellen koennen, der herr mit dem hut und der weinerlichen stimme, meint gleich ja und will uns auf dem veranstaltungsplatz ansiedeln, aber wir wollen nicht. schliesslich landen wir sehr schoen unter zwei baeumen, wo wir den ganzen tag schatten haben. es erscheint uns merkwuerdig, dass er sagt:"i don't charge you for the tent, that would not be correct.", doch am morgen sehen wir, dass es sonst keine camper gibt, das auch nicht ueblich zu sein scheint und ansonsten nur bungalows hier sind. auch gut. als wir noch etwas essen wollen muss der faehrmann noch einmal ueber den fluss, selbiges zu holen.

am tag sieht das ganze zwar nicht mehr ganz so romantisch aus, aber die beschaulichkeit und ruhe bleibt. wir erkundigen uns nach der bootsfahrt, den fluss hinunter nach banjul und erfahren, dass das naechste schiff erst am montag fahre und zwar bis tendaba (ungefaehr halb soweit), nach banjul braeuchte man 7-10 tage. aus montag wird dienstag, von kompetenterer seite, das ist uns aber eigentlich viel zu spaet, da wir diensteg wieder in banjul sein wollten, um den filter abzuholen. als er mit dem preis von 1350 dalsi auf 1000 runtergeht entschliessen wir uns doch zu warten, nachdem uns ein paar ankommende deutsche auch erzaehlt haben, wie toll die reise doch sei.

also bleiben wir in erwartung drei tage in georgetown, deren reize und sehenswuerdigkeiten eigentlich nach einer halben stunde voll ausgeschoepft waeren, sehen uns den lamin koto stone circle an, das sklavenhaus, das laut lonely planet erst nach der abschaffung der sklaverei gebaut wurde und nie einen sklaven gesehn hat und wandern einige male die einzige asphaltstrasse auf und ab (taeglich). mit der zeit werden wir zur lokalen beruehmtheit, da wohl selten ein tourist so lange in dieser stadt verweilt, ina laesst sich einen rock schneidern aus einem stoff, den sie nebenan gekauft hat und ich erkunde den busch am nachmittag.

Im Schatten der Bäume finden wir hinter dem Camp Platz für unser Zelt
Jangjang Bureh Camp, Georgetown

silvester kommt auch zu uns, in form eines reichlich betrunkenen managers (der herr mit der weinerlichen stimme), der meint er wuerde jetzt dann mit der reiseleiterin reden,ob wir mitfahren koennten. uns geht ein licht auf, da wir die resche dame schon gesehen haben. natuerlich sagt sie nein, da sie mit der letzten reisegruppe schon reklamationen gehabt haette, weil zuviele leute am schiff waren. der manager will uns noch ueber ihren schwarzen boyfriend, der sie ueberreden soll, auf das schiff bringen, aber das wollen wir auf keinen fall. also haben wir umsonst gewartet, in dieser spannenden stadt. schulbewusst und unter vielen i'm so sorry! setzt er sich zu uns, zahlt ein bier und erzaehlt uns seine lebensgeschichte unter vielen i'm so drunk, i'm sorry.

seine mutter war waise und hat ihn bei der katholischen mission abgegeben, die haben ihn christlich erzogen, alle anderen waren moslems. deshalb hat er auch ewig keine frau gefunden, weil im niemand die tochter zur frau geben wollte, als christen. dafuer hat er seine erlaubnis zum alkoholtrinken glaube ich sehr umfangreichg ausgenuetzt. schliesslich hat er doch eine frau gefunden, die er aber auch erst nach den zweiten gemeinsamen kind bekam, weil sie von der familie verstossen wurde. jetzt ist das dritte kind kurz vor der entbindung und er sagt: my wife is very ugly! uns hat es fast vom sessel geworfen, aber er hat es mehrmals wiederholt und meinte, sie sei sowohl vom gesicht her, als auch vom koerper sehr haesslich und ausserdem eine mandinka (volksgruppe im senegal und gambia), die er sowieso nicht mag. er hingegen sie ein fulani, die haetten die schoensten frauen in ganz gambia, deshalb seien seine zwei toechter auch so schoen. als draufgabe erzaehlt er uns noch von seiner schwedischen freundin, die so wunderschoen sei und mit der er drei naechte in einem hotel an der kueste verbracht hat. schliesslich hat er seiner frau gesagt, dass er eine europaeische freundin habe und sie vor die wahl gestellt, das zu akzeptieren, oder zu gehen. nur wo sollte sie denn hin, also ist sie geblieben.

um 22.00 uhr war er dann so betrunken, dass er schlafen gehen musste und wir konnten in ruhe in das neue jahr gehen. und wir haben den jahreswechsel doch auf dem gambia-river verbracht, wenn auch auf dem kleinen boot, das an den steg gebunden war. wir hatten keinen unnoetigen laerm, keine raketen, nur viele sterne, die uns ins neue jahr leuteten, allen voran der orion, der uns nacht fuer nacht begegnet, seit wir unterwegs sind.

ein highlight im camp war der abendlich „heimatabend“, der anschliessend an das buffet nach der ankunft der bootreisegruppe stattfand. eine gruppe von ca 20 frauen und zwei oder drei trommler tanzten um das grosse feuer und sagen traditionelle lieder. beim ersten mal wirkte es noch relativ spontan (inkl. sammelaktion fuer die kinder der singenden), doch nachdem wir es das dritte mal in genau derselben abfolge erlebt hatten, hinterliess es einen eher schalen geschmack. das sind halt die nachteile, wenn man laenger als ueblich bleibt. dafuer haben wir in banding einen redefreudigen und lustigen freund gefunden, der uns jeden tag mit erzaehlungen aus seinen schlaflosen naechten versorgte. am 30sten war er bis in der frueh beim traditionelmlen wrestling und ist dann direkt arbeiten gegangen, am 31sten war er bis 4 uhr tanzen und am ersten glaube ich ist er auch nicht direkt ins bett. ein partytiger sozusagen, aber ganz ohne alkohol, denn er ist ja moslem.

schliesslich machen wir am ersten jaenner doch noch einen bootsausflug, ein paar stunden den fluss hinunter sehen wir, auf der suche nach nilpferden, einige affen, eine riesenechse auf einem baum und zahllose voegel - nilpferde allerdings nicht.

aber, georgetown hat doch noch etwas zu bieten, naemlich das tollste internetcafe der reise: ein laptop, der auf wunsch gestartet wird in einer huette neben dem „restaurant“ mit eigenem ventilator. da die stadt nur stundenweise mit strom versorgt wird und das ohne umspannwerk, was zu schoenen lichteffekten fuehrt bevor der strom ausgeht, kann man manchmal bei kerzenschein surfen, denn kurz geht noch der akku des laptop, wenn das licht schon aus ist. mit etwas glueck kann man die pause auch "uebertauchen".

und, am abend des ersten treffen wir auch mike aus kanada zufaellig wieder in georgetown, der hatte mit der anreise noch weniger glueck, denn seinen bus konnten sie den ganzen nachmittag nicht reparieren, also musste er noch einen tag in serekunda bleiben. als wir im bus standen (auf der natuerlich ebenso langen rueckreise - wieder 9 std stehen) und an der kreuzung abbogen nach westen, sahen wir ihn nocheinmal am strassenrand stehen und warten auf eine mitfahrgelegenheit nach basse, der oestlichten stadt gambias.
so, das war die reise ins landesinnere, werde mal eine pause machen und dann vielleicht noch weiterschreiben, mal sehen. schoene gruesse einstweilen aus ziguinchor, david


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© david scharler