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reiseBERICHTE | 19 | ina aus der casamance | 5.1.2002

von neuem, eigenartigkeiten, gutikeiten und schlechtigkeiten will ich heute berichten, nachdem der david schon die laengste zeit bericht schreibt. gleich als erstes hab ich mir gedacht, ich schreib euch einmal ein paar dinge, die hier nicht sooo toll sind, damit sich alle jene freuen koennen, die ein bisschen neidisch sind; zb sind die straende hier im senegal zwar alle recht menschenleer und schoen mit weissem sand bestueckt, aber da wo die flut aufhoert ist meistens ein streifen mit muell: plastiksackln, alte flipflops, teile von fischernetzen und kleidungsstuecke - alles moegliche kann man da finden.

seit dakar sind wir ja in richtigem malaria-gebiet und ich bin wirklich vorsichtig, gehe ab der daemmerung nur mit langer hose und meistens auch mit langaermeligem oberteil auf die strasse, unser moskito-netz ist auch immer in verwendung, wenn wir im hotel naechtigen und ins zelt lassen wir die tierlein erst gar nicht kommen und trotzdem habe ich nicht wenig stiche! am 25.12. hat mir ein mann so einheimische kraeutlein gebracht, die angeblich die moskitos vertreiben sollen, ausschaun tun sie, als ob er sie irgendwo neben der strasse schnell abgerissen haette und riechen tun sie ein bisschen - weiss nicht, ob das etwas nuetzt. aber die anopheles-muecke, das ist die einzige, die die wirklich boese malaria uebertraegt und von denen nur die weibliche, fliegt angeblich erst nach 23:00 herum. das faend ich gut, weil wir da meistens schon schlafen. das ist angeblich eine recht neue erkenntnis von einem tropen-krankheiten-institut in gambia.

unser tagesrhythmus ist naemlich jetzt ein bisschen veraendert, hat wohl auch damit zu tun, dass wenn hier die sonne untergeht, dann ist es sehr rasch stockdunkelund das ist nicht ueberall sehr angenehm. so sind wir meistens zwischen 8:00 und 9:00 munter und gehen so gegen 21:00 und 22:00 schlafen. schlafen tun wir viel. soll ja auch gesund sein. mir kommt vor, wenn es so heiss ist, brauch ich mehr schlaf. leider schaffen wir es trotzdem selten, vor 12:00 irgendwie aus dem haus oder aus dem zelt zu kommen, dh wir sind meistens in der groessten hitze unterwegs - daran arbeiten wir noch. im zelt wird es teilweise am vormittag schon extrem heiss, ein grosser nachteil von unserem schneckenhaus (wir tragen es ja auch am ruecken), dafuer hat es den unendlichen vorteil, dass keine moskitos drinnen sind und auch kaki hat keinen zutritt.

was dem david wohl als schweren nachteil von afrika auffaellt ist, wie auch schon in indien, dass es hier so gut wie keinen kaffee gibt. wenn, dann nescafe, bei dem man aber auch eher mit dem pulver spart. mir ist das nicht so ein problem, ich mag auch gerne einmal tee zum fruehstueck. und wenn wir selber fruehstueck machen kochen wir eh unseren eigenen kaffee mit der marokkanischen espresso-maschine.

was ich absolut hasse und doch beinahe taeglich tun muss ist waesche waschen mit der hand! man moege nachsicht walten lassen, aber ich mag das gaenzlich ueberhaupt nicht und mache es deshalb oft auch nicht so gut. das sieht man dann halt, da ich ja nur ein gelbes und ein weisses t-shirt hab. und eine helle hose, wo man den dreck auch gut sieht. fuer die naechste reise gibts nur noch dunkle kleider!

es gibt hier aber auch ein paar sehr tolle dinge, die wir nun auch schon mitmachen, zb steht alle paar meter einer mit einer scheibtruhe voll gruener (!) orangen, das muss so sein, orange orangen sieht man hier nur sehr, sehr selten, und die schaelen sie aussen ab, also nur die gruene schale weg, das weisse bleibt und oben wird ein stueck abgeschnitten und dann saugt man die aus. dann wirft man sie weg. oder gestern im bush-taxi habe ich eine frau gefragt, wie die fruechte heissen, die sie gekauft hat und sie hat mir auch gleich den namen auf wolof („ditach“) gesagt, den franzoesischen namen kennt sie nicht, und uns zwei so teile gegeben zum probieren und das war ja hoechst spannend: so gruene und mehlige fruechte, an denen man saugt und die haben sehr viele recht zaehe fasern und einen grossen kern, der steinhart ist. von aussen hat es auf den ersten blick wie ein erdapfel ausgesehen. aber die schale ist sehr gut und leicht herunter gegangen. kennt das jemand?

Wasser Montrolland, Senegal

ansonsten ist es immer interessant beim busch-taxi fahren, da immer wenn das auto stehen bleibt viele frauen und kinder viel zeug daher bringen, sozusagen als reiseproviant. unter anderem so plastiksaecklein mit saft drin, teilweise gefroren und in bunten farben (verschiedene saefte)- das ist sehr erfrischend. und die ganzen tollen dinge, die die leute hier aus erdnuessen machen - sagenhaft!

dann gibt es noch zu berichten, dass es immer und ueberall kinder gibt, die, wenn sie uns sehen „toubab“ schreien, was so viel heisst wie weisser und fremder. und dann kommen sie gelaufen und stellen ihre forderungen und wenn du dem 13. erklaert hast, dass du keinen kugelschreiber fuer ihn hast, dann will der 14. einen fussball, damit waeren dann auch gleich 11 kids zufriedengestellt, allerdings gibts dann im dorf vielleicht noch ein team und die wollen vielleicht auch einen neuen fussball, weil der hund den alten zerbissen hat. und dann kommt der naechste und will dir seine adresse geben, damit du ihm aus "austr(al)ia" ein paar kugelschreiber schicken kannst und vielleicht auch gleich papier dazu und dann sagst du ihm, dass du das nicht tun wirst, dann kommt auch schon der naechste und fragt, ob du ihn nicht einmal einladen koenntest. sein bruder will dir dann unbedingt eine pirogenfahrt verkaufen oder wenigstens die stadt zeigen und seine 9-jaehrige schwester mit einem baby auf den ruecken gebunden haette gern ein „minti(zuckerl) fuer sich und das baby und streckt dir seit 5 minuten ihre hand unter die nase.

koennt ihr euch nun ein bild von dem machen, was man auf englisch "hassle" nennt? oder wenn man in einem neuen ort am busbahnhof ankommt und 24 leute wollen dein taxifahrer sein und dir ein hotel zimmer verkaufen, dir die stadt zeigen oder vielleicht auch nur ein bisschen geld, da zwar das erste kind schuhe hat, aber beim zweiten hat das geld nicht mehr gereicht fuer die schuhe.

uebrigens bin ich auf etwas recht interessantes gestossen: altkleidersammlungen fuer afrika sind ja an und fuer sich nichts schlechtes, aber die leute hier grapschen sich einen sack, leeren ihn auf ein tuch und verkaufen das zeug am markt. der, der mehr glueck hat kriegt vielleicht 5 saecke und macht gleich einen laden auf. aufgefallen ist mir dieses "geschaeft", als ich neben so einem verkaeufer den sack gesehen hab.

was auch noch toll ist, sind die ganzen internetcafes, die wir mittlerweile besucht haben. heute zb haben wir eine huebsche blaue tapete mit riesigen muscheln an der wand, neben mir rennt der roomcooler und aus dem kraeht zeitweise auch ein hahn und wir sitzen in lilanen pluesch-sesseln, so buerosesselartig, mit raedern unten dran. in georgetown war das internetcafe dann offen, wenn der strom da war und dann hat einer, der angeblich mit einer wienerin verheiratet ist/war, den laptop ausgepackt, den venti angestellt und den compi zum laufen gebracht. das ganze in einer kleinen kammer, wo sonst nur noch ein tisch und zwei bretter an der wand (als regal) waren. wenn wir uns zwei sessel in die kammer gestellt haben war der raum voll. sonst sind meistens viele computer in einem raum, manchmal mit sichtschutz, dann wieder ohne und meistens sind die raeume klimatisiert. zum glueck.
so viel zu meiner heutigen detail-reise nach afrika, ich hoffe, david hat nicht das gleiche geschrieben - ich schick euch ganz viel licht, sonne und vor allem waerme ins kalte mittel(und sued- fuer joannis)europa und einen blick in die wunderschoene gruene landschaft der casamance, die uns hier umgibt!

In Ziguinchor, Casamance, Senegal


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© david scharler