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reiseBERICHTE | 23 | ina, die zweite | 25.1.2002

mein tief ist zum grossteil dadurch entstanden, dass segou einfach so nett war und djenné dann halt sehr teuer und sehr touristisch und relativ klein. ausserdem hatten wir eine hollaenderin, die uns teilweise begleitet hat und die ist gerade krank geworden und war auch in einem ich-mag-mali-nicht-so-sehr-tief und hat mich da wohl ein wenig angesteckt. die arme hat die erste nacht auf der terrasse des campements sehr gefroren, djenné ist schon recht nahe an der wueste und da werden die naechte sehr kalt. sie hat nicht damit gerechnet, dass es zwischen senegal und mali einen so grossen temperatur-unterschied gibt. ein bisschen ist sie mir vorgekommen wie irgendwelche touristen, die die alpen mit sandalen beklettern wollen. nie nicht wuerde ich ohne einen schlafsack auf reisen fahren. so haben wir ihr in der 2. nacht einen von uns geliehen. am naechsten tag hat die welt schon wieder viel besser ausgesehen.

wir haben von segou den bus nach mopti genommen, da es keinen direkten gibt nach djenné und an der kreuzung wo man abzweigt nach djenné sind wir ausgestiegen. dort haben wir einige zeit gewartet und dann jemanden gefunden, der uns fuer einen sehr hohen preis mitgenommen hat bis zum fluss. dort hat gleich ein junger herr fuer uns den transport mit einer piroge ueber den fluss und im anschluss einer fahrt auf einem pferdewagen, auf ca 300 kg reis sitzend, organisiert. auch nicht billig. aber es waren da noch 3 daeninnen mit uns, eine mutter mit ihren 2 toechtern, von denen eine in bamako studiert, sie studiert architektur und interessiert sich besonders fuer die lehmbauten in der gegend. und mutter und schwester 2 waren gerade auf besuch.

beim schlafen gehen hab ich dann das erste von mehreren malheuren entdeckt: mein ganzes schoenes rausch-shampoo hat sich in unserem bad ergossen und alles klebrig und nach huflattich riechend gemacht. eine nacht mit huflattich-shampoo-aroma. und am naechsten tag alles waschen: rassierschaum und -klingen, taschentuecher, waeschekluppen, duschgel, zahnbuersten, buerste, einfach alles.

danach sind wir auf den markt gegangen und das war schon sagenhaft, was es da alles gegeben hat. unglaublich viele verschiedene arten von reis und hirse, ueberhaupt koerner, gemuese und was man halt sonst noch so braucht oder eben nicht braucht. sei es schmuck oder gewand - alles. haben dann das schweizermesser schleifen lassen, was nicht so klug war, weil es naemlich nun nicht wesentlich besser schneidet, dafuer aber kleiner ist. den rest des tages haben wir bier trinkend vor dem zelt im schatten auf der terrasse verbracht, die hollaenderin hat uns gesellschaft geleistet und das war ganz gut so.

Auf dem Markt in Djenné bricht der Abend an

am naechsten tag sind wir zu 8, allesamt touris, aufgebrochen ein taxi zu chartern und mit franzosen ist das immer super, weil die nicht viel zahlen wollen, allerdings braucht man halt schatten und geduld. die fahrt war irgendwie speziell, weil irgendwann die hollaenderin angefangen hat von amsterdam und seinen grachten zu singen, dann haben die franzosen irgendetwas mit "je t'aime" eingestimmt und am schluss (und am lautesten) hat der italiener "o sole mio" dazu gesungen. so sind wir recht schnell in mopti angekommen, bzw in sevaré, da in beiden fuehrern steht, dass es in sevaré (eine art vorort) ruhiger sein soll und das war uns wichtig. haben bei einem sehr netten hotel unser zelt im garten aufstellen duerfen und am abend haben wir erbsen und gruene bohnen (eine art vegi-teller) bekommen. ich find das immer so super, wenn ich auf franzoesisch etwas erzaehlt krieg und danach dann die bestaetigung kriege, dass ich es richtig verstanden habe. wir konnten naemlich anfangs nicht glauben, dass wir einen gemuese-teller bekommen. tagsueber waren wir in mopti und haben uns erkundigt wie es mit einer pinassenfahrt (eine pinasse ist eine piroge, das ist so ein aehnliches schifflein wie eine gondel in venedig, nur manchmal groesser, mit motor) nach timbuktu aussieht, aber das war eher enttaeuschend, alle wollten uns irgendetwas verkaufen, pinassenfahrten auch, aber erst in 3 tagen und so toll war mopti nicht. ein cybercafe hat es zwar gegeben, aber das war seit 1 monat en panne.

tags darauf hatten wir einen termin um eine pinasse anzuschauen, die moeglicherweise frueher losfahren sollte und wie es sich herausstellte viel frueher, naemlich in drei stunden. aber nachdem wir mittlerweile schnell im entschluss sind haben wir zugesagt, haben unseren plan ins dogon-land zu fahren wieder ueber bord geworfen, sind ins hotel haben alles gepackt, einiges an wasser gepumpt und auf die pinasse. die ist dann aber eh erst viel, viel spaeter losgefahren als angekuendigt. auf der pinasse waren viele schwarze und ausser uns noch 2 franzosen und eine schweizerin. nachdem wir relativ spaet hingekommen sind haben wir nicht mehr wirklich viel platz gehabt, auf lauter reis- und hirsesaecken, die den gesamten boden ausgemacht haben und als lehne schachteln mit bananen. wir hatten gerade so viel platz, dass wir uns ausgestreckt hinlegen konnten, davids fuesse bei meinem kopf. von umdrehen oder so keine rede. aber fuer die angekuendigten 2 naechte haben wir das in kauf genommen.

essen war inklusive, obwohl wir dann noch extra dafuer gezahlt haben. weil die leute, die dort auf der pinasse gearbeitet haben, die haben wirklich gearbeitet. und hart gearbeitet. da waren zb 2 burschen, die angestellt waren das wasser aus dem boot zu schaufeln. ich hab ja immer geglaubt, dass ein boot untergeht, wenn es ein loch hat. aber dem ist nicht so. hier haben alle boote loecher. und weil 2 burschen billiger sind als eine pumpe mussten die diese arbeit tun.

mittlerweilen sehen wir auch schon ein bisschen an der hautfarbe und ueberhaupt am aussehen wer - immer noch - die herren und wer die sklaven sind. das ist einfach so. wird wohl auch noch lange so bleiben, war ja auch schon so, bevor es den namen "sklaven" gegeben hat. das essen war abwechslungsreich: zum fruehstueck erdaepfel in sauce (das typische fruehstueck der westler, glauben die) und zum mittagessen reis mit wenig fisch und sauce und zum abendessen wenig fisch mit reis und sauce. das die sauce immer die gleiche war ist nicht erwaehnenswert. es war gut, aber nach dem 3. tag findet man es einfach eintoenig. ja, wir haben naemlich 3 naechte dort ausharren muessen und 4 tage gebraucht, weil einmal der motor "en panne" war und einmal mussten wir warten bis der wind aufhoert, da auf der strecke steine waren.

die landschaft um uns war toll und wir konnten auch aufs dach klettern, da waren wir beinahe ungestoert und konnten uns die umgebung, die kleinen doerfer am fluss, die pirogen, die duenen und die tiere anschauen. auf der pinasse war auch noch eine dickliche frau im blauen boubou, mit der wir leider kein gutes verhaeltnis hatten, da sie die besitzerin der bananenkisten waren und die toubabs natuerlich immer alles kaputt machen, denen ist nie zu trauen. sie hat auch ganz ungeniert oft mit den anderen ueber uns toubabs geredet und das finde ich nun sehr, sehr unhoeflich - aber das ist uns in mali oefter passiert. diese dame nun hat versucht mir meinen in gambia an weihnachten gekauften 100% polyester bh zu klauen. in der letzten nacht, als schon einige leute ausgestiegen waren hatten wir naemlich einen netten platz zum schlafen, direkt am wasser, und nicht mehr neben unserer "blauen sau" und am folgenden morgen konnte ich eben meinen bh nicht mehr finden. also haben wir begonnen ihn zu suchen, als sie gegessen hat (war die einzige zeit, in der sie den platz verlassen hat) und in ihrem buendel hat david etwas gesehen, das so ausgesehen hat wie die bh-traeger. ich wollte das nicht glauben, wurde aber misstrauisch, als sie sofort vom essen weglief um das buendel zu holen zum draufsitzen. dann hab ich mir einen mann geholt (man muss sich vorstellen, dass die ja grossteils moslems sind und das ist schliesslich nicht unpeinlich) der als uebersetzer fungiert hat und sie hat dann gezeigt, dass in ihrer handtasche nix ist, wahrscheinlich haette der wind ihn davon geblasen. das hat mich ziemlich wuetend gemacht und wenn sie schon die handtasche aufmacht, koennte sie auch das buendel auswickeln. und siehe da, sie hat zwar versucht ihn unter der decke zu verstecken, aber da ist mein bh herausgefallen. natuerlich hat sie das nicht absichtlich gemacht, der muss zufaellig da hineingerutscht sein. eh klar.

am selben tag am spaeten nachmittag sind wir dann doch endlich in timbuktu angekommen und da wir ja mit franzosen unterwegs waren hatten wir ein relativ billiges taxi in die stadt hinein. der hafen ist naemlich ca 20km entfernt, der der niger seinen lauf geandert hat. wir haben unser zelt wieder auf dem dach eines campements aufschlagen duerfen und gleich einmal ausgiebig geduscht, ehe wir in ein relativ teures restaurant gegangen sind und seit 4 tagen das erste bier genossen haben. gemeinsam mit der schweizerin und den 2 franzosen hatten wir einen netten abend, ohne reis mit fisch und sauce. kurz nachdem wir gegessen haben hat auch noch die disko begonnen. das war dann nicht mehr so fein fuer die unterhaltung, da naemlich einer von den 2 franzosen wirklich gut englisch gesprochen hat.

am naechsten tag haben wir dann timbuktu erkundet, in den fuehrern steht, dass die meisten leute entaeuscht seien, ja, es ist nichts besonderes, aber eigentlich schon ganz nett. auf dem weg ins zentrum haben wir dann noch etwas spannendes erfahren: die kinder in mali haben gerade schulfrei, weil gerader der can ist. coup d'afrique des nationes. fussball. und weil die alle so narrisch sind ueber fussball kommt das einem fete nationale gleich und die haben 14 tage keine schule. und das internetcafe sperrt auch nur manchmal auf, wenn grad kein fussball ist. deshalb konnten wir nicht, wie wir urspruenglich wollten, von timbuktu aus einen reisebericht schreiben.

In der Wüste hinter Timbuktu…

…findet David diesen Text und weiß bis heute nicht, was draufsteht.

und noch etwas interessantes haben wir gesehen: sardinendosen vom roten kreuz aus spanien. die kosten 100 cfa weniger als die normalen sardinen, weil der, der sie verkauft sie naemlich gratis kriegt. es steht auch drauf, dass der weiterverkauf verboten ist, aber wen kuemmert das? ich hab mir allerdings die frage gestellt, ob es recht viel sinn macht, in ein land, durch das der niger, ein relativ fischreicher fluss, fliesst sardinendosen als hilfslieferung zu schicken. denn ich denke, gerade fisch ist etwas, dass man sich hier leisten kann, auch wenn man arm ist.

am naechsten tag sind wir dann eben ueberrascht worden von dem tuareg und seinem quattrequattre, der eine franzose, herves, ist dahergelaufen und hat uns gefragt ob wir interesse haetten mitzukommen nach gao. ja und so sind wir ganz ploetzlich aufgebrochen. neuer rekord im zelt abbauen und alles packen: 35 minuten! dieser tuareg ist auch einigermassen schnell gefahren, manchmal wars schon 100km/h und das durch sand, aber das war gut so, denn so haben wir fast 500km an einem tag geschafft und am abend gao erreicht.

in gao hatten wir leider wieder pech mit dem internetcafe, weil es keines gibt. dort mussten wir uns bei der polizei einen stempel in den pass geben lassen, dass wir uns in der stadt aufhalten. war ok, weil die dort unkompliziert und freundlich waren und es nichts gekostet hat. und weil wir die polizei schnell und zufaellig gefunden haben. und fuer den naechsten tag haben wir eine bus nach niamey bekommen, halt leider nicht zum eigentlichen preis..... dafuer hat die dame aus unserem campement ganz ausgezeichnete brochettes gemacht. die waren so gut, dass am 2. abend sogar ich einen gegessen habe.

die busfahrt von gao nach niamey war recht ok, das war eigentlich kein bus, sondern ein aelterer lkw, der hinten drauf eine kabine hatte. und die war so ausgebaut wie ein bus. an der grenze war alles relativ unkompliziert und es hat lange zeit gut ausgeschaut dafuer, dass wir zu einer angenehmen zeit ankommen, so vor 22:00 waere uns recht gewesen, aber nachdem wir nach dem ersten zoll noch 2 mal aufgehalten wurden, wieder vom zoll und dann noch unser bus probleme mit dem motor oder dem licht hatte, sind wir erst um 0:30 angekommen. dafuer haben wir unterwegs ein yaourt offeriert bekommen. das ist eisgekuehltes yoghurt mit viel zucker. war fein. nur leider sind uns gegenueber zwei damen gesessen, die sich auch gern und viel in einer anderen sprache ueber uns unterhalten haben und das ist einfach gar nicht angenehm, wenn wir die einzigen weissen im bus sind.

so, nachdem man uns mittlerweilen im internetcafe das licht abgedreht hat, nehme ich an, wir sollten heimgehen. morgen planen wir nach agadez zu fahren. haben auch schon ein ticket dafuer.
gruesse aus der wueste, mit kamelspuren im sand!


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© david scharler