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reiseBERICHTE | 26 | ina. wieder in niamey | 29.1.2002

so, heute haben wir das internetcafe zeitiger aufgesucht und hoffen nun, dass die nicht wieder einfach das licht abdrehen.
das letzte mal war ich gerade so richtig in gao, dort - ein historischer abend - haben david und ich zum ersten mal in unserem leben einen 20euro-schein in der hand gehalten. am abend, nach unserer fahrt mit dem netten tuareg, sassen wir mit den franzosen beim superguten brochette (spiess) und da sind wir auf das thema euro gekommen und dann ist herve eingefallen, dass wir den ja noch gar nie gesehen haben und dann ist er schnell ins zelt gelaufen um so ein scheinchen zu holen. in der zwischenzeit hat irgendwo auf der strasse ein kleiner junge versucht uns dazu zu kriegen ihm eine 5eurocent-muenze zu wechseln, allerdings hatte die 1999 als jahreszahl eingepraegt und da sind wir stutzig geworden und haben uns gefragt, ob das nicht vielleicht spielzeug-geld ist.

was ich auch noch gerne erwaehnen wollte ist, dass sich die leute hier immer alle recht freuen, wenn ich sage, dass ich "ina" heisse, dann kommt immer so etwas aehnliches wie: oh, c'est bon. c'est facile. c'est un nom africaine. die mehrzahl der leute hier heissen amadou oder mamadou (kommt angeblich urspruenglich von mohammed - ein bisschen "verhunzt" mittlerweile) und marijama.

und dann wollte ich noch die ausrinn-katastrophen-geschichte vervollstaendigen. das allererste mal ist das duschgel in marokko ausgeronnen, seit damals ist es verbannt in einen plastiksack. das zweite mal ist in gambia das apre-sun-duschgel ausgeronnen, wurde gleich separiert an einen anderen ort, dann in djenné die geschichte mit dem shampoo, das bad wieder sauber kriegen war ueber eine stunde arbeit. als wir dann endlich in timbuktu angekommen waren und die dreckigen kleider waschen wollten (eigentlich all unsere kleider), mussten wir leider feststellen, dass unser waschmittel aus der tube eben aus der tube sich in unser bad ergossen hat. nun konnten wir das bad grosszuegig ausmisten, denn zb die wattestaebchen waren nun auf einer seite voll shampoo und auf der anderen voll "mir" (senegalesisches waschmittel). und die zahnbuersten haben wir auch entsorgt. und nachdem wir nun beide schon beinahe darauf warten, was wohl nun wieder ausgeronnen ist, wenn wir in einem neuen ort ankommen, abends, bei dunkelheit, muede und verschwitzt, hat es uns in gao nicht verwundert, dass mein rucksack sehr stark nach apres-sun-duschgel gerochen hat. mhm. auch fein. david hat anfangs gemeint drehverschluesse waeren die optimale loesung, ist aber mittlerweilen wieder davon abgekommen. das mag euch vielleicht ein wenig laecherlich erscheinen, aber solche dinge erfreuen das herz des reisenden nicht unbedingt.

nach unserer ewig langen fahrt von gao nach niamey sind wir um ca 1:00 in niamey angekommen und unser lonely planet hat als billigste und saubere empfehlung die mission catholique als unterkunft empfohlen. also haben wir uns ein taxi genommen und uns dahin bringen lassen. dort hat sich unser taxifahrer sehr fuer uns engagiert, leider war da natuerlich keiner mehr munter, den nachtwaechter mussten wir auch erst aufwecken und so durften wir unser zelt im garten aufbauen und wurden sehr stuermisch vom hund "chien" begruesst, der sogleich und schneller als david im zelt war. sehr zeitig in der frueh erfreute uns der chor mit franzoesischen weisen und bald darauf gab man uns zu verstehen, dass die zeit nun reif waere unser zelt abzubauen und wir haben ein nettes zimmer mit dusche bekommen. die leute, 2 franzosen, die das betreiben sind sehr nett, haben uns am abend als willkommensgruss eine halbe ananas geschenkt und sich sehr darueber gefreut, dass wir daraufhin unsere 10 erdbeeren, die wir fuer teures geld erstanden haben, mit ihnen geteilt haben. ich war ja anfangs misstrauisch, vielleicht sind die so katholisch das david und ich in getrennten zimmern naechtigen muessen (wie im hospiz in jerusalem), aber dem ist nicht so.

und in der vergangenen nacht, als wir um 22:00 von agadez angekommen sind, hat uns der nachtwaechter ein zimmer gegeben. leider sind wir 2 std spaeter von einigen franzosen aufgeweckt worden, die genau dieses zimmer reserviert hatten. wir haben uns aber schlafend gestellt..... und so hat sich dieses problem fuer uns erledigt. wie von selbst.

agadez war ganz nett, aber sehr viele leute, die dir etwas verkaufen wollen und die sehr, sehr hartnaeckig sind. die behaupten guides zu sein und sie sind aber keine. fast ein bisschen ein schock - so touristisch. ohne dieser "infrastruktur" waere es wohl sehr schoen. das war vermutlich so, als heinrich barth dort war. oder noch frueher.

aber sehr faszinierend die tatsache, dass man hier 1000km an einem tag mit dem bus fahren kann. der bus ist in sehr gutem zustand und man kriegt immer so ein joghurt, wie wir es erstmals auf der fahrt von gao nach niamey bekommen haben. nun sind wir richtige fans von dem zeug und wissen mittlerweilen schon wo man es hier kriegt. das eine heisst kassem, das ist einfach sehr fluessiges jogi gezuckert und immer gut gekuehlt und das andere heisst "solani", jogi mit vanille geschmack und zucker. solani ist die abkuerzung von société lait nigeriénne. und da laufen ueberall so burschen herum mit kuehlboxen am kopf und schreien ganz laut und ganz oft solanisolanisolani.

nun geniessen wir noch die letzten stunden in niamey, ehe wir morgen aufbrechen nach burkina faso. hoffentlich sind die busse dort auch so nett wie hier. und ich freu mich schon recht darauf, die wueste und den sand hinter mir zu lassen, ein bisschen regenwald zu sehen. als wir in agadez losgefahren sind haben wir noch eine tolle kostprobe vom harmattan bekommen: der warme wind hat sand aus der wueste geblasen und zwar so arg, dass man keine 2 meter aus dem bus hinausgesehen hat, so mussten wir ganz langsam fahren.
nun denn, ein letzter blick auf die wueste
ina

Kossam und Solani sind so eine Art Trinkjoghurt und werden in diesen kleinen Säckchen überall auf der Straße verkauft, in den staatlichen Bussen bekommt man meist sogar eines gratis.


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© david scharler