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reiseBERICHTE | 27 | ina aus abidjan | 7.2.2002

inas detailreise..... als erstes hab ich bisher immer vergessen, dass ich da einen recht heiratswilligen herrn aus mali kenngelernt habe, der mir gesagt hat, ich moege doch seine adresse einer bekannten geben um mit ihm "faire correspondance" und eben dann zu heiraten, aber er war ein ganz lieber, ca. 25jaehriger, der den kiosque sahel fuehrt, in gao, gleich neben der post. aber ein teil seiner familie lebt in bamako, es gaebe also auch die moeglichkeit dort zu leben - na, wer mag????

und von einer lustigen angelegenheit in niamey wollte ich auch noch erzaehlen, es gab doch dort bei der mission den lieben hund mit dem einfallsreichen namen "chien" und der hat tagtaeglich (natuerlich auch in des morgens fruehe), wann immer irgendwo in hoerweite der muezzin gesungen hat mitgesungen. fragt sich wer klaeglicher gejault hat, der hund der katholischen mission oder der muezzin. aber david fand, dass die muezzins (muezzinnen?) in niger melodioeser gesungen haben als wo anders.

mittlerweilen sind wir schon ein bisschen mehr teil dieser welt geworden, wissen, welche laeden so aussehen als ob sie auch brot verkaufen und welche nicht, oder dass diese saeckchen zum trinken "bissap" heissen und dass die, die nicht rot sind sondern gelblich mit ingwer gemacht sind und das kann extrem scharf und ungeniessbar sein!

und noch etwas haben wir mittlerweilen gelernt: es gibt durchaus auch afrikaner, die es nicht so lustig finden, wenn man fuer eine strecke von 500km 24std mit dem bus braucht, die afrika, so wie es jetzt ist sehr kritisieren und grausam frustriert sind. und in bobo haben wir auch einige kids gesehen, die auf irgendwelchen drogen waren - total weggetreten - kein feiner anblick. es gibt hier naemlich die armen, die halt auf der strasse so betteln, hauptsaechlich buben (das kommt angeblich daher, dass die taliban (heisst ja urspruenglich schueler einer koranschule) in den schulen zwar lernen durften, aber fuer ihr leibliches wohl waren sie selber verantwortlich und einige fingen an mit der bettlerei und das scheint funktioniert zu haben und dann hat das wohl eine eigendynamik entwickelt), aber es gibt dann auch noch die, die weit unter diesen bettlern sind. in bobo gab es auch einen mann, der ist komplett nackig durch die stadt gegangen. und kein mensch hat sich nach ihm umgedreht (ausser uns natuerlich). der ist ein tabu, nach dem kein hahn kraeht, um den sich jetzt aber echt keiner schert.

in burkina faso, dass seit langem das erste land ist, in das wir kommen, in dem nicht 90% der bevoelkerung dem islam angehoert oder der islam ueberhaupt staatsreligion ist, haben wir uns als erstes sehr ueber ein paar schweine am wegesrand gefreut. die sind hier aber nicht rosa oder rosig, sondern gelblich-weiss oder schwarz. das sind so kleine dinge, an die man gar nicht denkt, die fallen einem ueberhaupt nicht auf, nur wenn man daran erinnert wird, dass es ja das auch noch gibt. das gleiche mit den handys. die sind uns gar nicht abgegangen, und als wir gestern im bus eines gehoert haben hat da unendlich gestoert.

eines abends haben wir uns zufaellig drueber unterhalten, ob wohl so ein taxi-fahrer hier in afrika einen fuehrerschein hat. ich dachte mir, hm - eigentlich glaube ich nicht, denn in afrika geht ja alles irgendwie - aber david hat dann gemeint, dass es wohl sein muss, dass man einen fuehrerschein oder taxischein hat, denn es gibt doch viele polizeikontrollen. tja und dann sind wir in ouaga am ersten abend in ein oesterreichisches restaurant gegangen, da es uns sehr gefreut hat, dass der lonely planet, so etwas kennt, noch dazu in ouagadougou. haben lange darueber nachgedacht, ob das nun doof sei, aber dann haben wir beschlossen, dass wir seit fast 3 monaten kein oesterreichisches essen mehr hatten und somit war es in ordnung. da gab es als saisonale spezialitaet "sauerkraut" mit diversen wuersten. war eine feine sache. das restaurant fuehrt ein oesterreicher. und als wir nach diesem kulinarischen ausflug nach hause ins taxi stiegen, war es sehr nett, wir hatten einen relativ jungen fahrer, der ganz laut, ganz netten burkinaben rap hoerte und mir hat es sehr, sehr gut gefallen so durch die stadt zu fahren. ich hatte fast ein bisschen das gefuehl, ein teil von dieser welt zu sein, es war wunderschoen. und weil uns das so gefallen hat, baten wir ihn uns zu sagen, wie denn die gruppe heisst, die da singt und er hat es uns gesagt und ich schreib es auf und frag ihn, ob man es so schreibt und er sagt ohne wirklich hinzuschauen "ja". da wurde ich ja gleich einmal misstrauisch. und als der david am naechsten tag die kassette gekauft hat, war es sehr klar, dass der herr nicht lesen konnte.

in niamey haben wir es auch einmal den von der schule heimgehenden maedels gleich getan und auf der strasse ein stueck zuckerrohr gekauft, zum probieren. eine feine sache. das saugt man dann so aus und spuckt "das rohr" aus. und gestern haben wir uns zum abendessen "yams" gekauft, am strassenrand. auch interessant. ein bisschen wie gekochte erdaepfel, nur weniger geschmack irgendwie. aber man kriegt eh chilli dazu und dann geht das schon.

unser staendiger begleiter ist jeden abend der "orion" - den sehen wir jeden abend am himmel und freuen uns, dass er auch da ist. in djenné hat uns tilk erklaert, dass die leute dort vom guertel (die 3 sterne, die so schraeg sind) sagen, der vorderste sei ein esel, der in der mitte ein dieb und der letzte ein polizist, der den dieb versucht zu fangen.

noch etwas interessantes haben wir gelernt: die ashanti haben einen gott, der heisst twi, dem ist irgendwo in ghana ein see "gewidmet", der heisst lake bosumtwi. dieser gott twi mag kein metall. und deshalb duerfen auf diesem see, logischerweis keine schiffe oder flosse aus metall fahren, sondern nur aus holz.

in bobo-dioulasso, der zweitgroessten stadt burkinas, haben wir das erste mal seit november oesterreicher getroffen! da war unsere freude gross. renate und gaby aus wien sind beide schon einige male in burkina gewesen und es war sehr nett mit ihnen zu plaudern, einmal keine sprachbarriere. wir haben uns schon gefragt, ob wir die einzigen oesterreicher sind, die westafrika bereisen.

In der Casa Africa, einer Art Hotel-Campingplatz in Bobo Dioulasso lernen wir Gaby und Renate aus Wien kennen.

von dort aus haben wir den zweiten versuch gestartet hippopotames zu sehen, in der freien wildbahn, weil david findet nationalparks seien einfach nur groessere zoos. und das haben wir folgendermassen gemacht: ein moped ausgeliehen, was leider nicht sehr einfach war, da in afrika alles lange dauert und oft nicht gleich von erfolg gekroent ist, aber als wir es dann endlich hatten, sind wir sofort aufgebrochen, david als fahrer und ich am gepaeckstraeger. 66km weit zum mare aux hippopotames. wir haben uns unterwegs dann auch noch verfahren und unsere hintern haben wirklich gelitten, aber wir sind belohnt worden, mit einer ganzen horde hippos, ca 10 stueck aus 25m entfernung, beide in einem boot sitzend. das war echt sehr nett! jetzt haben wie die doch noch getroffen! beim ersten hinschauen dachte ich: ah, da drueben ist ein grauer haufen und beim zweiten mal hinschauen und registrieren ist mir eingefallen, dass im fuehrer steht, dass jedes jahr in afrika mehr leute von flusspferden getoetet werden, als von irgendwelchen anderen tieren. aber die 2 herren, die unsere boote gestakt haben waren sehr vorsichtig. ein sehr schoener anblick! eines war dabei, das war so ein bisschen rosa im gesicht. sehr huebsch!

Und endlich haben wir doch noch unsere Flußpferde gefunden im „Mare aux Hippopotames", nördlich von Bobo Dioulasso.

und noch etwas gibt es aus der fauna zu berichten: kaki, die uns begleitende kakerlake hat hier ein etwas groesseres format. auch schon in niamey haben wir ein solches exemplar gesichtet und hier in abidjan sind sie auch recht gross.

so, nun werde ich aufhoeren, sind beide muede, haben eine 27stuendige busfahrt mit wenig schlaf hinter uns und einem reifenplatzer um 4:15 und zu allem uebel ist david der computer mit seinem teil des reiseberichtes abgestuerzt und nun alles verloren.....
à la prochaine, ich schick euch diesmal viel gruen, tropische feuchtigkeit und dazu 30°!
corina


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