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reiseBERICHTE | 28 | david aus accra, ghana | 13.2.2002

zweiter anlauf einer langen geschichte
nachdem das letzte mal in abidjan der "dieu des ordinateurs" einspruch eingelegt hat, werde ich nun wieder mal auf englischer tastatur versuchen die letzten zwei wochen zu rekonstruieren, wenn auch nicht mehr so ausfuehrlich.

niamey niger
unser zweiter aufenthalt in niamey bestand hauptsaechlich aus spaziergaengen zur SNTV busstation und berichteschreiben im internetcafe, die innenstadt hatten wir ja schon ausfuehrlich erforscht. auf diesem weg zum bus, den ina aufgrund der gaerten entlang des niger, wo in joghurtsaeckchen tausende kleine pflanzen wachsen, recht gerne mag, waren wir schon fast eine lokale beruehmtheit und trafen mit der zeit auch immer jemanden, den wir schon kannten. das ist naemlich eine halbe stunde fussmarsch und wir sind insgesamt sicher sechs mal dortgewesen, also zwoelf mal vorbeigegangen...

ouagadougou - burkina faso
aufstehen um 5:00 uhr ohne wecker ist nicht gerade leicht, aber man kann auch das lernen. um 6:00 uhr hatten wir naemlich "rendevous" am busbahnhof, so nennt sich das hier, eine halbe stunde spaeter sollte die abfahrt sein. leider hatte sich mein auskunftgeber wohl um eine stunde verschaezt, weshalb die meisten anderen leute auch erst gegen sieben kamen und wir einen ruhigen sonnenaufgang am niger erleben durften. das gab uns auch gelegenheit noch einen gemuetlichen afrikanischen kaffe zu trinken, der in der doch recht kuehlen morgenluft angenehm waermt. ich liebe ihn, auch wenn ich zuhause doch wieder gerne "normalen" kaffee haette.

der setzt sich folgendermassen zusammen:
ein paar loeffel nescafe (natuerlich das original aus der besonders kleinen dose) in ein dickes milchglas, aufgegossen mit heissem wasser (aus dem niger oder so - hoffentlich ohne bilharziose) und dann - das eigentlich geschmackgebende - drei essloeffel gezuckerte dickmilch (erinnert von de konsisten her an gelblich-transparentes shampoo) von nestle oder gloria. unter den geschickten haenden des strassenverkaufers wird in einem loeffelwirbel von mindesten einer minute daraus auch noch capuccino mit viel schaum.

weniger erfreut hat uns dann der anblick des burkinabischen SOTRAO-buses, der dementsprechend auch nur zu einer hoechstform von etwa 40 km/h auflief. aber es sind ja nur 500 km dachten wir uns, doch schon bei der grenze faehrt der bus ploetzlich mit unserem tagesrucksack drinnen weg, nachdem das ganze grosse gepaeck vom dach abgeladen wurde - fuer den douane/zoll. als nach einer stunde der bus mitsamt kamera, tele, inas pass, sonnebrillen etc. noch immer nicht da war, habe ich recht lange herumgefragt, wo denn unser bus jetzt sei. (scheint mir auch eine afrikanische eigenart zu sein, einfach zu warten, auch wenn man nicht weiss warum - irgendwie wird schon was passieren.) schliesslich erfahre ich er sei in der "garage" (werkstatt), auf den zweiten anlauf finde ich ihn auch, der rucksack steht noch auf seinem platz, aber da wird ganz boese am motor herumgeschweisst! nach etwas mehr als drei stunden pause fahren wir wieder weiter, die gepaekleute wollen natuerlich noch einmal geld, aber ich will nicht mehr und trage unsere rucksaecke eigenhaendig auf das busdach. als es dunkel wird sind wir gerade mal auf halber strecke, also 250 km in 12 std, da heisste es wir wechseln den bus. alle steigen aus mit dem gepaeck, aber der "neue" bus faehrt einfach weg. spaeter erfahre ich, dass dieser bus einen anderen, 15 km entfernten, bus abschleppt hierher - wieso weiss keiner. aber als er nach 2 std wieder zurueckkommt, mittlerweile ist es 20:30 uhr, duerfen wir doch mit ihm fahren. durch diese leichten verzoegerungen dauert es natuerlich dochnoch ein weilchen bis wir, um 3:00 uhr frueh, in ouagadougou einreiten. noch bevor wir das gepaeck haben schnappe ich mir den ersten taximann und wir koennen noch jemanden aufwecken im hotel "les mangiers" (mangobaeume), der auch noch ein zimmer hat fuer uns. zelten, wie es im fuehrer steht, wuerde der "patron" allerdings nicht gut finden. "patron" ist ab hier das wort fuer "herr", als mann wie als herrgott, wie die buschtaxis in ihren aufschriften verdeutlichen.

ouaga ist auch recht hektisch, vor allem rund um die marktgegend, aber lange nicht so schlimm wie bamako, finde ich zumindest. die zwei oesterreicherinnen, die wir bobo treffen werden meinen allerdings es habe sich in den letzten jahren sehr zum schlechteren veraendert. uns wird ouaga wohl hauptsaechlich als "kampfplatz mit den bankomaten" in erinnerung bleiben. denn in burkina ist man, wie uns einige besuche auf diversen (eigentlich allen) banken verdeutlichen, in sachen VISA nicht auf den hund, sondern auf den automaten gekommen und dieser stellt im land die einzige moeglichkeit dar mit visakarte an geld zu kommen! und eben diese automaten wollten meine karte partout nicht lesen, manche haben gleich am anfang aufgegeben, andere erst kurz vor auszahlung. am zweiten tag hatten wir dann auch zwei hilfreiche begleiter, die mit uns von bank zu bank gewandert sind, ihr geschaeft grob vernachlaessigend, und dann auch gar nicht mehr abzuschuetteln waren. erst kurz vor der botschaft von ghana, wo wir unsere visa abholen wollten, liesen sie sich zum umkehren ueberreden. als ich am nachmittag noch einmal alleine aufbrach geld zu besorgen - mit unserer notreserve traveller cheques, die ich fuer die fluege aufheben wollte - waren sie (zuerst der eine, dann der andere) natuerlich gleich wieder da. auf dem weg zur letzten bank, die wir nochnicht aufgesucht hatten, startete ich noch einen versuch am automaten ... und hatte erfolg (!), wahrscheinlich gibt es wohl auch noch einen gott der geldautomaten, den man mit opfern guenstig stimmen muss. als mich der bursche gefragt hat, ob ich noch was brauche, habe ich mir gedacht er soll auch was davon haben und wir sind zu seinem "bruder" gegangen der kassetten verkauft. zwar nicht eigentlich (denke ich), da er kein geschaft und keinen bauchladen etc hat, aber er hat ein menge kassetten dahergebracht, nachdem er und seine freunde erfuhren, dass ich mich fuer hiphop aus burkina interessiere. eine ganze gruppe junger maenner stand um mich herum und jeder lobte die eine oder andere band in hoechsten toenen, auf franzoesisch und englisch, ich konnte mir einige anhoeren bei einem "professionellen" kassettenverkaeufer. man erklaerte mir, dass diese kassetten originale seien (und deshalb teurer), die anderen hingegen "pirat cassettes", also raubkopien. und ich koenne ja hoeren, dass sie (zwischen zwei wummernden und droehnenden boxen bei voller lautstaerke) klar wie eine cd sind!?!
schliesslich erstehe ich nach einer weiteren halben stunde verkaufsverhanlungen drei kassetten zu einem vernuenftigen preis und bin nun schon sehr gespannt sie mir zuhause endlich ganz anhoeren zu koennen.

am naechsten tag fahren wir sehr planmaessig und zuegig nach boromo, ein kleiner ort genau zwischen ouaga und bobo, wo man hin und wieder elefanten sehen kann. das ist auch der grund, warum wir hierher kommen. am spaeteren nachmittag mieten wir ein taxi an, da nach ein paar stunden ankuendigung das versprochene mofa immer noch nicht da ist. eines der etwa 11-jaehrigen maedchen (raisha) darf auch mitfahren und wir durchforsten ein wenig den busch um die stadt, ueberqueren ein fussballfeld und finden uns schliesslich bei einem lauschigen camp am rande des nationalpark wieder, wo man (oh wunder!) auch etwas trinken kann. aber weil es so ruhig und schoen ist bin ich auch schon wieder versoehnt, hatte ich mir doch schon gedacht, dass wir mit unserer ploetzlichen aktion keinen erfolg haben werden. wir laden auch das maedchen und den fahrer ein auf ein getraenk und sitzen am oberlauf des schwarzen volta in traditionellen stuehlen bei sonnenuntergang.

raisha begleitet uns auf der Suche nach den Elefanten von Borormo.


In Ouagadougou bekommen wir das erste mal die „noblen“ Nescafé-Säckchen, mit denen man sich selbst seinen Frühstückskaffee anrühren kann.

zurueck im hotel wollen wir uns ein wenig ausruhen, doch bald klopft es an die tuer und die zwei maedchen rufen: "davii", anscheinend hat die einen der anderen vom eingeladenen cola erzahlt und nun wollen die beiden mit mir spielen, karten oder so!

bobo dioulasso
tags darauf fahren wir weiter nach bobo, der zweitgroessten stadt burkinas und landen im lauschigen "casa africa". dort treffen wir auf gabi und renate aus wien und koennen das erste mal seit drei monaten oesterreichisch reden, also gibt es doch oesterreicher ausser und hier. mit tom, dem schwedischen piloten, den wir in nouadhibou kennengelernt haben, sind das schon fuenf (zumindest zeitweise) "hernalser" in afrika. (die ergaenzung der wuestengeschichte in mauretanien erfolgt wohl mit zahlreichen fotos von zuhause.) bobo ist ruhiger und gemuetlicher als ouaga, das gesamte stadtleben spielt sich rund um einen riesiegen viereckigen neuen markt ab, der an und fuer sich recht steril und unpassend erscheint in seiner parzllierten betonbauweise. am naechsten tag machen wir den von ina schon beschriebenen ausflug mit dem mofa zu den hippos, der sehr auf kosten unserer hinterteile und gegen ende auch auf unsere nerven geht, da uns exakt zehn mal die kette rausspringt und wir im dunkeln bei schrittgeschwindigkeit (mehr vertraegt das mofa mittlerweile nicht mehr) das hotel lange nicht finden.

wir verbringen noch einen weiteren tag in bobo und erholen uns von ausritt durch den busch, besorgen ein busticket und brechen am folgenden tag, natuerlich wieder in den fruehen morgenstunden, in richtung cote d'ivoire/abidjan auf. aber das ist ein neues kapitel und folgt vielleicht morgen.

Ghana ist sehr stolz auf seine Biere – Club Beer, Star Beer

Busticket von Cape Coast nach Takoradi (Ghana), Bluna Tropic Limonade (Ghana)

Diago Wasser aus der Côte d'Ivoire


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